Andrew, Leida und Sonea stehen vor dem mit einem Vorhängeschloss versehenen Gittertor in der U-Bahn-Station Holborn. Von ihrer Position aus können sie einen weiteren versperrten Bahnsteig sehen, der jedoch nur so weit erleuchtet ist, wie das Licht der für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereiche reicht. Andrew tarnt die kleine Gruppe dank Verdunkelung und zerquetscht mit der Disziplin Stärke das Vorhängeschloss. Anschließend gibt er sich das Aussehen eines U-Bahn-Sicherheitsbeamten, öffnet das Tor und schlüpft auf die andere Seite, um die Lage zu checken. Als er nichts Auffälliges ausfindig machen kann, folgen Leida und Sonea ihm. Weit können sie nicht sehen, denn selbst für ihre vampirischen Sinne reicht das Licht nicht weit. Man beschließt, sich auszurüsten und steigt wieder an die Oberfläche.
Andrew, mit dem Aussehen eines gut betuchten Mannes im Anzug, sucht den nächstgelegenen Survival-Laden. Er kauft einen Reiserucksack, vier gute Taschenlampen, die auch zum Zuschlagen taugen, drei Seile, zwei Handtücher, vier Stirnlampen, Kletterausrüstung für drei Personen, notgedrungen einen zweiten kleineren Rucksack, zwanzig Knicklichter, zwei Klappspaten, zwei Allround-Äxte und vier Schweizer Offiziersmesser von ca. 40cm Länge. Alles in allem kostet es ihn ca. 900 Pfund. Mit seinen Einkäufen begeben sich alle drei zurück zum versperrten Bahnsteig, wobei Andrew wieder seine Sicherheitsbeamter-Täuschung anlegt. Er trägt auf dem Rücken den Reiserucksack, Sonea den kleineren Rucksack und Leida ihre Handtasche. Man rüstet sich aus indem jeder unter anderem eine Stirnlampe bekommt.
Nachdem sie sich ein Stück aus dem von der Öffentlichkeit einsehbaren Bereich entfernt haben, schalten sie ihre Lampen an und sehen sich um. Der Bahnsteig selbst ist alt und die Wand gegenüber der Platform weist - vor allem im hinteren Bereich - alte Plakate von vor etwa zwanzig Jahren auf. Im vorderen Bereich aber ist moderner Müll zu finden. Die Gleise selbst sind offenbar noch in Benutzung. Andrew ist misstrauisch und befürchtet, von einem Zug überrollt zu werden, doch sie folgen den Gleisen in die Dunkelheit.
Nach etwa zehn Minuten Fußmarsch in der Finsternis des Tunnels - nur erleuchtet von ihren Stirnlampen - geht die Wand zu ihrer Linken in einen Drahtzaun über, der an einer Tür endet und sich als Wand weiter fortsetzt. Von der Tür aus laufen Gleise in etwa die Richtung davon, aus der die Gruppe gekommen ist, verschwinden aber hinter einer Biegung.
Andrew springt über den Zaun. Er überprüft die Tür nach Fallen, kann aber keine entdecken und tritt sie kurzerhand ein. Auch Leida und Sonea überwinden den Zaun nach Andrews Freigabe mehr oder weniger mühelos. Sie betreten einen alten, verstaubten Raum, dessen hinterstes Fünftel erhöht liegt. Eine aus ihren Angeln gehobene Tür dient als Rampe hinauf und endet am Fuße eines leeren Türrahmens. Die Decke ist halbkreisförmig und kahl, am Boden liegt abgebröckelter Verputz und die ehemals weißen Ziegel sind zu sehen. Wieder geht Andrew vor und sichert ihren Weg, doch nichts stellt sich ihm entgegen außer der mit bloßen Augen undurchdringlichen Dunkelheit. Er durchquert einen kleinen Raum und einen weiteren Türrahmen bevor er sich in einer Art Flur wieder findet, von dem zu beiden Seiten etwa eine handvoll Türen abzweigen. Andrew lauscht, doch nur das leise Fiepen von Ratten dringt an seine Ohren. Leida ekelt sich. Jeden Raum abcheckend folgt Andrew dem Flur - wobei ihm auffällt, dass die Wände um ihn herum nicht die auch hier halbkreisförmige Decke erreichen, sie scheinen nachträglich eingebaut worden zu sein - , biegt ab um tritt eine weitere Tür ein, um sich abermals auf einem leeren Bahnsteig wieder zu finden. All die zeit über verstärkt sich das Fiepen der in der Dunkelheit verborgenen Ratten, die aber davon huschen sobald ein Lichtstrahl sie streift.
Auch dieser Bahnsteig wird untersucht. Er weißt noch ältere Werbeplakate auf, die Andrew auf etwa Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg einschätzt. Der Verputzt hat gelitten und die Gleise beginnen zu rosten - hier ist schon lange kein Zug mehr gefahren. Andrew verteilt fünf Knicklichter auf dem Bahnsteig, die alles in ein unwirkliches Licht tauchen - unterbrochen von den durch ihre Bewegungen zuckenden Lichtstrahlen der Stirnlampen. Das Fiepen der Ratten ist zu einem ständigen Begleitchor geworden.
Andrew wagt sich in die Dunkelheit in die Richtung, in der er die meisten Ratten vermutet. Kaum hat er sich ein Stück von seinen beiden Begleiterinnen entfernt, als er auch schon Bekanntschaft mit den Bewohnern des Undergrounds macht. Wie von Katapulten losgelassen schießen mehrere der kleinen Biester auf ihn zu, verfehlen ihn aber. Dennoch machen die Ratten nicht halt, sondern schießen auf Sonea - die geistesgegenwärtig ausweichen kann - und Leida - in deren Bein sich eine Ratte verbeißt - zu. Angewidert schleudert Leida die Ratte davon und tritt in Verdunkelung, was Andrew bereits getan hat. Sonea sieht sich allein einem Rudel Ratten gegenüber, die wie rasend auf sie zu schießen. Sie teilt ein paar Male mit ihren schweren Boots aus. Tatsächlich, die Biester scheinen ihre Lektion zu lernen und ziehen sich zurück. Andrew und Leida besehen sich das Schauspiel aus der Sicherheit der Verdunkelung.
Sonea ist wütend darüber, im Stich gelassen worden zu sein und macht Anstalten, den Weg wieder zurück zu gehen. Just in dem Augenblick taucht Andrew wieder auf und hält sie fest, während Leida ihr den Weg versperrt. Nach einigem Hin und Her bleibt Sonea widerwillig und sie und Leida sehen zu, wie Andrew die kleinen Räume durchsucht, die sie soeben durchquert hatten. In vier der Räume finden sie alte rostende Bettgestelle von vor etwa fünfzig Jahren bis hin zur viktorianischen Zeit sowie zwei ebenso alte Tische. An einem der Betten versucht Leida es und kann tatsächlich einen Blick in die Vergangenheit erhaschen. Vor ihrem inneren Auge blitzen Bilder auf. Bilder von einer Zeit, als die Wände noch frisch in die Höhe gezogen und nicht vergilbt waren, als der Verputz noch nicht abblätterte. Die Gesellschaft von Menschen, die hier unten lebten. Die in der Luft liegende Spannung von geschmiedeten Plänen. Gefahr. Unterschwellige Angst.
Sie teilt ihre Vision mit und Andrew vermutet, dass sie auf ein vergessenes Lager aus dem zweiten Weltkrieg gestoßen sind, in dem sich Offiziere vor den über London abgeworfenen Bomben verbogen haben. Die letzten Überreste von Porzellan mit dem Stempel der British Army in einem Raum, der offenbar als Küche gedient hatte und drei altmodische, in die Zeit des zweiten Weltkrieges einzuordnende Pistolen bestätigen seinen Verdacht. Die Pistolen finden sie in einer Kiste voller vermodertem Stroh in einem der beiden ehemaligen Lagerräume, die ansonsten leer stehen. Die beiden noch restaurierbaren Pistolen steckt Andrew mit der Bemerkung “Ich muss meine Unkosten hierfür abdecken” ein. Leida lässt ihren aufkommenden Prostest abebben.
Des weiteren finden sie einen ehemaligen Konferenzraum, an dessen Wänden hellere Rechtecke darauf hindeuten, dass hier einst Karten gehangen haben mögen.
Sie verlassen auf Andrews Geheiß hin das ehemalige Quartier in der Richtung, aus der sie gekommen waren und folgen den von der Tür ausgehenden Gleisen ohne wieder über den Zaun zu steigen. Nach etwa einer Viertelstunde Weg können sie einen stehenden Zug ausmachen, einen der modernen, noch in Betrieb befindlichen. Hier sind die Gleise besser erhalten und offenbar noch in Benutzung. Das Fahrerabteil ist seltsamerweise unverschlossen, doch sie finden keine Anzeichen nicht-menschlichen “Lebens”, nur einen Notizblock mit Fahrzeiten und Arbeitszeitennotizen, Stifte und offizielle Fahrpläne sowie Ticketinformationen. Auch im Rest des Zuges lässt sich nichts auffälliges finden.
Also gehen sie den Weg zurück, überwinden den Zaun und gehen vorbei am Gittertor zum öffentlichen Bereich die Gleise entlang. Diesmal begegnen sie nach einer Weile elektrischem Strom in Form von immer häufiger an den Wänden angebrachten Lampen, bis sie irgendwann Lärm und das Rumpeln der Underground-Bahnen hören. Auch dies scheint also nicht der richtige Weg zu sein. Andrew beginnt zu verzweifeln und muss erst einmal nachdenken.
Leida schließlich hat den entscheidenden Geistesblitz [mit SL-Hilfe^^]. Sie besteht darauf den Gleisen zu folgen, bei denen sie auf die Ratten getroffen waren. Niemandem ist wohl bei dieser Idee, doch scheint sie eine Spur zu sein.. Einen Grund muss es doch haben, dass die Ratten sie angegriffen hatten.
Also ab den ganzen Weg noch zurück.
Die Knicklichter sind nahezu verloschen, was allen seltsam vorkommt, hat Andrew doch die guten gekauft. Mit einem Schulterzucken verteilt dieser einfach neue auf dem Boden. Ihm fällt auf, dass der Rattenchor völlige Stille bewahrt, als habe es die kleinen Biester hier nie gegeben. Lediglich ihr emsiges Umherhuschen kann er vernehmen, wenn er sich anstrengt. Jetzt fällt auch auf, dass in einiger Entfernung, doch hörbar, Züge vorbeirumpeln.
Andrew wagt sich mit einer Allround-Axt in der einen und seinem Schwert in der anderen Hand in den Tunnel vor. Er hofft, keinem Geist zu begegnen. Ein paar hundert Meter weit kann er vordringen bis ihn ein unheimliches Gefühl beschleicht, als gefriere ihm das Blut in den Adern. Er kehrt um und berichtet davon. Innerlich sträubt Leida sich, doch sie beschleißen, Sonea vorerst zurück zu lassen und zu zweit - als die beiden erfahrenen Vampire - die Lage zu erkunden. Als sie ungefähr so weit kommen wie Andrew bereits gewesen war müssen beide enorme Willenkraft aufbringen, um ihren Weg fort zu setzen.
Ein schwaches, nebelartiges Leuchten lässt sich in der Finsternis ausmachen. Andrew flucht. Er befürchtet - viel eher noch als einem Geist - einem mächtigen Vampir vom Clan des Tiers, den Gangrel, in die Quere zu kommen, hat er doch davon gehört, dass die Mächtigeren unter den Gangrel sich in Nebel auflösen können. Doch aus dem Nebel schält sich erst der Umriss und dann die Gestalt einer Frau heraus, die auf Andrew und Leida zuschwebt. Leida scannt ihre Aura und stellt fest, dass es sich tatsächlich um einen Geist handelt, dessen blasse Aura silbrig und bläulich gestreift ist. Leida kann es nicht glauben: ein trauriger und.. verliebter Geist?
Andrew senkt seine Waffen und verbeugt sich: “Ich grüße Euch. Mein Name ist Andrew. Vom Clan der Verborgenen.”
Die nebelhafte Erscheinung scheint ein Nicken anzudeuten. Das Kleid, das sie trägt schätzen die beiden auf etwa Jahrhundertwende.
“Auch ich grüße Euch”, lässt sich Leida vernehmen. “Sagt, lebt hier unten jemand?”
Die Antwort lässt auf sich warten, besteht aber in einem kaum erkennbaren Senken des Kopfes.
“Wir suchen nach jemandem. Einem von unserer Art. Ist hier solch ein jemand?”
Die Erscheinung schwebt offenbar unruhig geworden vor und zurück. Andrew und Leida weichen aus. Schließlich erhebt sich eine geisterhafte Hand und deutet eine verneinende Geste an, als wolle die Geisterfrau sagen: “Bleibt fort von hier!”
Leida und Andrew tauschen Blicke aus.
“Aber wir müssen hier entlang”, beharrt Leida.
In einer plötzlichen Bewegung zerfließt der Nebel in alle Richtungen und das unheimliche nagende Gefühl ist wie weggewischt.
Währenddessen kämpft Sonea mit ihrem eigenen Willen und entscheidet sich schließlich. Sie kehrt dem Tunnel, in dem Andrew und Leida verschwunden sind, den Rücken und läuft den ganzen Weg zurück zum Ausgang.
Andrew und Leida indes folgen verdunkelt dem U-Bahn-Tunnel bis sie zu einer offenbar verlassenen Plattform zu ihrer Rechten kommen. Den immer noch hängenden Plakaten nach zu urteilen war hier vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren der letzte Reisende und ein Schild verkündet, sie befänden sich in Aldwych. In der Mitte des Bahnsteigs gibt es einen Ausgang. Die beiden Vampire müssen eine Treppe hinauf steigen, an deren oberem Ende sie zu ihrer Linken eine zugemauerte Abzweigung entdecken. Sie folgen dem Gang, der sich vor ihnen nach rechts und wieder links schlängelt und stoßen auf einen weiteren Gang, der rechtwinklig zu ihrem verläuft. An der gegenüber liegenden Wand zweigen insgesamt sechs weitere Gänge ab, wobei jeweils zwei zusammengehörig scheinen, da sich nur je etwa ein Meter Wand zwischen ihnen befindet. Auf den erste Blick scheinen aber alle nach etwa ein bis zwei Metern zugemauert worden zu sein.
Andrew und Leida wenden sich nach links, stoßen auf das Ende des Ganges und eine Wendeltreppe, die sie hinauf in einen Raum mit altmodisch anmutenden Ticketschaltern führt. Die Wände sind matt grün gestrichen und eine Zweiflügeltür führt vermutlich hinaus ins Freie, ist aber verschlossen. Sie steigen die Treppen wieder hinab und erkunden den nach ihr folgenden Gang. Tatsächlich sind die letzten beiden Abzweigungen nicht zugemauert, sondern führen gemeinsam in einen runden Raum mit grün gestrichenen Holzbänken - vermutlich ein Warteraum. Dieser musste eins einen weiteren Ausgang besessen haben, denn man kann noch erkennen, dass die Gänge, die hereinführen auf der anderen Seite wieder hinausführen sollten, jedoch zugemauert sind.
Man berät sich und kommt darin überein, es mit der allerersten Abzweigung gleich hinter an det Treppe zum Bahnsteig zu versuchen.
Andrew macht sich an die Arbeit und durchbricht schließlich mithilfe der mitgenommenen Werkzeuge und der mystischen Kraft seines Blutes die Wand. Vor ihm und Leida erstreckt sich ein weiterer dunkler Gang, von dem sie vermuten, dass er über die Gleise hinwegführt. Der Verdacht bestätigt sich, als sie am anderen Ende eine Treppe hinabsteigen müssen und auf einem zum ersten parallelen Bahnsteig stehen. Dieser ist bereits deutlich länger verlassen und in schlechterem Zustand als sein Spiegelbild, zeigt aber Spuren von einstigem Leben. Das einzig unstimmige ist ein Loch in der Endmauer linkerhand der beiden Vampire.
Sie können keine verdächtigen Auren orten und wagen sich hinein.
Es ist, als beträten sie einen Bereich der Station, der nie benutzt worden war. Die Wände sind lediglich verputzt, wurden offenbar nie angestrichen oder gefliest, überall bröckelt es und Staub liegt in der Luft. Nach wie vor sind sowohl Andrew als auch Leida in Verdunkelung.
Sie folgen auch diesem Gang, biegen an seinem Ende rechts ab und stellen fest, dass sie sich im Parallelgang zu demjenigen mit den sechs Abzweigungen befinden, denn auch hier können sie die entsprechende Anzahl an Abzweigungen erkennen.
Plötzlich ist für wenige Augenblicke das Gefühl wieder da, das sie hatten, als sie der Geisterfrau begegneten.. Und schon ist es wieder weg.
Ein leises Knurren schreckt sie auf. Sie versuchen sich der Quelle dieses Geräuschs zu nähern, Andrew mit erhobenem Schwert. Gleich die ersten zwei zusammen gehörenden Abzweigungen sind nicht zugemauert, sondern führen in einen Warteraum, in dem Holzbänke entlang der Wände stehen, deren grüne Farbe aber größtenteils abgeblättert ist. Vor einem der Bänke sitzt ein großer - aber nicht riesenhafter - Rotweiler. Hinter ihm sind im Schein der Lampen eine alte zerfledderte Matratze und einige verstreute Lumpen auszumachen. Natürlich kann der Rotweiler Andrew und Leida nicht sehen, doch er scheint die beiden zu spüren, denn als Andrew sich ihm nähern will, knurrt er wiederholt. Andrew hält inne. Leida holt ihre Pistole hervor und erschießt den Hund. Hierbei gerät sie aus der Konzentration und muss sich beeilen, um ihre Verdunkelung neu aufzubauen. Noch bevor Andrew etwas zu Leidas Vorgehensweise sagen kann, hören sie sich hastig nähernde Schritte, die hohl im gang widerhallen.
Leida bleibt, wo sie ist, während Andrew sind an der Wand postiert, das Schwert erhoben. Vom Lampenlicht, das der Ankömmling aufgrund der verdunkelung nicht sehen kann, angestrahlt, erkennen Andrew und Leida einen zerlumpten Schemen, der plötzlich wie angewurzelt stehen bleibt, als er in Sichtweite des erschossenen Rotweilers kommt. Andrew sieht seine Chance gekommen und schlägt zu. Der erste Schlag streift den Ankömmling nur, der zweite aber streckt ihn nieder, wobei Andrew bemerkt, dass sein “Gegner” eigentlich ein harter Brocken im Nehmen ist und nur durch die Gunst des Augenblicks - und des Überraschungsangriffes - unterliegt.
Er wird anschließend von Leida unter die Lupe genommen. Es handelt sich um einen Mann Mitte Vierzig, der einst nicht gut aussehend, aber gepflegt gewesen sein mag und eindeutig als Vampir einzuordnen ist. Sein strähniges dunkles Haar fällt ihm ins Gesicht und auf die Schultern und seine Kleidung ist ein Sammelsurium aus Altkleidern. In einer Jackentasche findet Leida einen ca. fünfzig Jahre alten Ausweis, ausgestellt auf Victor Bedlock.
Das Auftauchen der Geisterfrau überflutet den Raum, besonders Leida, die nur noch Traurigkeit in deren Aura ausmachen kann. Jegliche Versuche, mit ihr zu redet oder ihr begreiflich zu machen, was sie tun bzw. beabsichtigen zu tun - nämlich Victor fortbringen und Queen Anne ausliefern - prallen an der Frau ab, die vor und zurück schwebt und schließlich halb im Betonboden versinkt, um in der Nähe des niedergestreckten Vampirs zu sein. Leida fürchtet jederzeit den Augenblick, in dem die Laune des Geistes umschlägt und behält die schwache Aura möglichst im Auge. Da sie hier unten keine Handyempfang haben, wagen Leida und Andrew den Versuch, Victor hinauf in die Schalterhalle zu tragen. Die Geisterfrau folgt ihnen, weicht keinen Augenblick von er Seite Victors, wobei sie den anderen beiden keinerlei Aufmerksamkeit schenkt.
Zum Glück hat Andrew oben in der Tickethalle Empfang und kann sich mit John Williams, dem Sheriff, in Verbindung setzen, dem er die Lage schildert. Dieser verspricht, Leute zu schicken.
Nervös warten sie. Leida nimmt kein Auge von dem Geist mitsamt Vampir. Sie schreckt zusammen, als ein Schlüssel im Schloss der Doppeltür gedreht wird und richtet die Pistole darauf, doch es handelt sich nur um John Williams persönlich zusammen mit ein paar seiner Handlanger. Leida und Andrew sind erleichtert. Schnell erfasst der Sheriff die Lage und überbringt zudem Kunde von Queen Anne. Sie spreche einen Dank an Andrew und Leida aus und lasse ausrichten, von nun an sei diese Angelegenheit in ihren Händen bzw. den Händen der Tremere, die sich darum kümmern werden, die Identität und Clansangehörigkeit Victor Bedlocks und - vermutlich - seines Kindes - Sonea - , ausfindig zu machen.
Andrew und Leida sind entlassen.
Sie machen sich - diesmal oberhalb der Erde - auf den Weg, Sonea abzuholen und ihr die Nachricht zu bringen.
Sonea indes hat sich zum “Ballrooms on Mars” begeben. An der Bar trifft sie erstaunlicherweise nicht Rebecca an, sondern eine rothaarige Angestellte, die Sonea aber erklärt, Rebecca sei nur im Lager und fragt, ob sie diese rufen solle. Sonea bejaht. Die Angestellte Öffnet nur eine Tür hinter der Bar und ruft in den schwach beleuchteten Raum hinein. Anschließend lächelt sie Sonea freundlich zu.
Bald erscheint Rebecca, mit beiden Händen einen Kasten Wodkaflaschen schleppend. Sie beginnt, die Flaschen in eine Kühltruhe hinter dem Tresen einzusortieren, während sie Sonea begrüßt.
Sonea sprudelt hervor, von der Kanalisation etc.. Rebecca hält sie auf, überlässt das Einsortieren der Rothaarigen und bugsiert Sonea zu einem freien Separée. Dort lässt sie sich von Sonea berichten, was geschehen ist, um dann eine Weile zu schweigen und anschließend Sonea zu fragen, was diese sich bei ihrem Vorgehen eigentlich denke.. Sie sagt Sonea, sie könne ihr nicht helfen, da diese alles verbockt hätte. Sonea hält ihr vor, Rebecca selbst habe gesagt, sie könne immer zu ihr kommen, wenn sie Hilfe brauchte.
Rebecca: “Das geht so nicht. Sunny, wir leben - mehr oder weniger - in einer Gesellschaft, in der jeder sich selbst überlassen ist. Wir sind Blut saugende Monster. Es geht nicht um Sympathien, sondern um gegenseitigen Nutzen. Und es gibt Gesetze, an die wir uns alle zu halten haben. Das schließt mit ein, das man Dinge tut, die einem nicht so gefallen. Willst du deinen Erzeuger finden? Oder sind dir deine Wurzeln egal? Wer dich erschaffen hat? Welchem Clan du angehörst? Du hättest nicht fort gehen dürfen.”
Sonea: “Aber Andrew..”
Rebecca: “Ist nur wie alle anderen Vampire auch - ein selbstsüchtiges Raubtier. Ist dir eigentlich bewusst, in was für eine Scheiße du dich geritten hast? Von denen, die dir helfen wollten ganz zu schweigen.. Du wurdest gerade erst frei gesprochen - herzlichen Glückwunsch übrigens - und schon bringst du dich in Schwierigkeiten.”
Es scheint, als würden die beiden aneinander vorbei reden und schließlich verfällt Rebecca in nachdenkliches Schweigen. Sie mustert Sonea..
Rebecca: “Also gut. Versprich mir etwas.. Und Sunny, ich meine es ernst, wenn du Mist baust.. Ich werde versuchen dir helfen, denn allein reitest du dich nur ins Verderben, aber du musst das tun, was ich sagen, okay? Und ich meine, wirklich das, was ich sage.”
Sonea nickt eifrig: “Ja, alles, versprochen.”
Rebecca holt von irgendwoher einen Dolch hervor und ritzt sich ins Handgelenk. “Trink.”
Sonea: “Was ist das? Was machst du?”
Rebecca: “Trink.”
Nach einigem Herumdrucksen folgt Sonea der Aufforderung. Als sie glaubt, Sonea habe genug, entwindet Rebecca dieser ihre Hand und der Schnitt heilt beim Hinsehen. “Und nun zum Eigentlichen: ich werde dir gleich eine Adresse nennen. Du gehst sofort dort hin und fragst dich nach Jack durch. Sag ihm, Rebecca schickt dich. Er wird wissen, was er tun soll. Und die nächsten Tage - nein, Wochen, steckst du deine Nase nicht nach draußen, außer du musst jagen. Und dabei passt du HÖLLISCH auf, verstanden?”
Sonea nickt und nickt. Rebecca nennt ihr die versprochene Adresse und begleitet die Clanlose noch zum Ausgang, wo sie diese noch einmal an ihr Versprechen erinnert und ihr nachsieht, wie sie die Straße hinab verschwindet.
Mit der U-Bahn und einigem Unbehagen macht sich Sonea auf den Weg. Sie landet in einem recht abgewrackt anmutenden Stadtteil, hat aber keine allzu große Mühe, ihren Zielort zu finden. In einem verdreckten Hinterhof stehen etwa ein halbes Dutzend Gestalten in der Nähe einer brennenden Mülltonne, was abgesehen vom Nachthimmel die einzige Lichtquelle zu sein scheint. Der Großteil des Hofes liegt in Dunkelheit. Sonea nähert sich langsam.
“Hey”, sagt einer der Gestalten, eine punkig gekleidete junge Frau, “wer bist du?”
“Hallo”, erwidert Sonea. “Ich suche Jack.”
“Was willst du denn von Jack?”
“Das kann ich ihm selbst sagen.”
“So nicht. Du kannst es über mich ausrichten lassen.”
“Nein, ich muss selbst mit ihm sprechen.”
“Wer bist du denn, dass ich dich durchlassen sollte?”
“Wer bist du denn?”
Die Frau grinst: “Also gut, ich bin Charlie. Und jetzt kannst du mir sagen, was du von Jack willst.”
Sonea gibt nach: “Rebecca schickt mich.”
“Warum denn nicht gleich so?” Charlie führt Sonea um die Mülltonne herum - Feuer! - und durch eien Tür, die zuvor im Schatten verborgen gewesen war. Sie betreten ein Ein-Zimmer Erdgeschoss-Apartment mit wenigen, ausrangierten Möbeln. Im Raum befinden sich drei Personen, von denen zwei sich auf dem Sofa gegenüber der Eingangstür unterhalten. Als Charlie Sonea eintreten lässt, verstummt das Gespräch und sie wird gemustert.
“Jack?”, fragt Charlie. “Sie sagt, Rebecca hätte sie geschickt.”
Einer der Männer auf dem Sofa scheint Jack zu sein, denn er reagiert auf den Namen. “So? Dann willkommen.”
Etwa um elf Abends im Keller von Leidas Anwesen.
Maggie erwacht aus der Starre. Sie weiß, sie erwacht nicht von selbst und als sie im gedämpft scheinenden Glühbirnenlicht blinzelt, kann sie eine wenige Meter entfernt stehende Person ausmachen. Sie beginnt das Schlimmste zu fürchten, doch es handelt sich um Rebecca, trotz der Sonnenbrille deutlich zu erkennen.
Maggie rappelt sich auf. “Was tust du denn hier? Und wo bin ich?”
Rebecca ist wie immer die Freundlichkeit in Person: “Wir sind im Keller von Alices - oder auch Leidas oder Elenors - Haus. Wie ich hier rein gekommen bin ist unwichtig. Ich will dir helfen.”
“Und lass mich raten, das wird mich auch was kosten.”
“Nur einen kleinen Gefallen.”
Bei Maggie klingeln alle Alarmglocken. Doch Rebecca kommt ihr zuvor: “Warte. Hör dir mein Angebot wenigstens an. Okay?”
“Schieß los, aber schnell.”
“Also gut. Ich werde dir auf jeden Fall hier raus helfen, egal ob du mir eine Gegenleistung erweist oder nicht. Sieh es mal als Tribut an deinen Ruf an. Ich werde meinen Gefallen, so du ihn mir erweist, auch gleich einlösen. Erstmal zu den Umständen: vor ein paar Wochen wurde dem Toreador Primogen, Ian Cross, eine wertvolle Statuette gestohlen. Es handelt sich um eine Edelstahlfigur, die mit Diamanten aus Yakuzien besetzt ist. Ein sehr wertvolles Stück. Man nennt sie die Diamantenballerina. Und nun zu meiner Bitte: du kommst in gewissen Kreisen herum, ich will nicht näher darauf eingehen, welchen. Du hast Kontakte. Sollte dir zu Ohren kommen, wo sich die Diamantenballerina befinden könnte oder solltest du sie zu Gesicht bekommen, wäre es meine Bitte, dass du mir darüber bescheid gibst. Mehr nicht, der Gefallen ist die Information.”
“Das klingt fair.” Maggie willigt ein.
Rebecca führt sie zur Kellertür und bald darauf aus dem Haus. Draußen sagt sie noch: “Ach ja, du hast mich in dieser Nacht nicht gesehen.”
“Ich doch nicht.”
Der Geschwindigkeit sei dank verlassen dir beiden das Gelände über den hinteren Teil der Umzäunung und ihre Wege trennen sich vorerst.
Andrew und Leida - vor allem Leida - sind sauer, als sie entdecken, dass Sonea sich aus dem Staub gemacht hat. Sie beratschlagen und fahren zum “Ballrooms on Mars”, wo sie Rebecca hinter dem Tresen vorfinden. Freundlich wie immer begrüßt sie die beiden. Die Frage, ob Sonea hier wäre oder gewesen sei, verneint die Barkeeperin. Andrew versucht herauszufinden, ob Rebecca weiß, wo sich die Clanlose aufhalten könnte, aber die Barkeeperin erklärt, außer der Tatsache, dass sie beide ein Jahrgang seien, hätten Sonea und sie wenig gemeinsam.
Andrew: “Ihr habt also im selben Jahr den Kuss erhalten?”
Rebecca: “Ja, ist das von Bedeutung?”
Andrew: “Nein.”
Er und Leida begeben sich zu leides Anwesen, in der wagen Hoffnung, Sonea wäre zumindest vernünftig genug, sich dort blicken zu lassen, doch auch dort ist sie nicht. Leida begibt sich in den Keller, in der Absicht, Maggie eine gewisse Menge ihres Blutes einzuflößen. Schon als sie die Tür öffnet muss sie feststellen, dass die Ravos nirgendwo zu sehen ist. Schnell verschließt Leida die Tür wieder, in der Vermutung, die Ravnos sei erwacht und möglicherweise verdunkelt oder treibe eines der berühmten Spiele der Ravnos mit Illusionen, doch es kommt die Frage auf, ob Maggie tatsächlich immer noch im Keller sei. Leida und Andrew rätseln.
Sonntag, 20. Januar 2008
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